Passend zur Kinder- und Jugendbuchwoche und genau am 21. November, dem bundesweiten Vorlesetag, wurde das Raisdorfer Rathaus zum lebendigen Bühnenraum: Die dritten und vierten Klassen der Grundschule am Schwentinepark waren zu einer außergewöhnlichen Lesung eingeladen, organisiert von der Stadtbücherei Raisdorf. Zu Gast war niemand Geringerer als der bekannte Kinder- und Jugendbuchautor Stefan Gemmel – und der verwandelte seine Lesung in ein echtes Erlebnis.
Schon bevor er überhaupt aus seinem Buch zu lesen begann, hatte Gemmel die Kinder für sich gewonnen. Mit viel Humor und anschaulichen Beispielen erklärte er, was genau ein Autor eigentlich macht. Die Schüler erfuhren, warum das gebundene Buch vermutlich so heißt – „weil es sich an uns bindet“ – und dass das Taschenbuch seinen Namen durchaus verdient, schließlich passt es perfekt in die Tasche, um es bei einer langweiligen Familienfeier heimlich hervorzuholen. Der Saal füllte sich mit Gelächter, und die Stimmung war gelöst, neugierig und voller Vorfreude.
Dann begann der Autor aus seinem spannenden Buch „Mumienwächter“ vorzulesen. Doch stilles Sitzen und Zuhören? Nicht bei Stefan Gemmel. Mit schauspielerischem Talent und großer Energie schlüpfte er in verschiedene Rollen, verstellte seine Stimme, spielte Bewegungen und Emotionen vor – und ließ die Geschichte lebendig werden. Die Lesung war „richtig witzig und gruselig zugleich“, wie viele Schüler später schwärmten, und zugleich so mitreißend, dass die Kinder völlig gebannt und begeistert zuhörten.
Immer wieder band Gemmel das junge Publikum ein: Er stellte Fragen, ließ die Kinder raten, kommentieren, mitfühlen. Dadurch wurde aus einer klassischen Lesung ein lebhaftes gemeinsames Erlebnis.
Neben seinen schauspielerischen Fähigkeiten beeindruckte Gemmel die Kinder auch mit einer besonderen Information über sich selbst: Er steht im Guinness-Buch der Rekorde. Und zwar für die weltgrößte gemeinsame Lesung.
Bei dieser Rekordaktion kamen mehrere tausend Kinder aus 74 Nationen an einem Ort zusammen, um gleichzeitig mit dem Autor zu lesen. Es war ein organisatorisches Megaprojekt – und ein starkes Zeichen dafür, dass gemeinsames Lesen Menschen verbinden kann. Für viele Kinder war es das erste Mal, so etwas zu erleben. Und genau diese Begeisterung für Geschichten möchte Gemmel weitergeben.
Die Lesung im Rathaus hat eindrucksvoll gezeigt, wie wertvoll Bücher und Geschichten für Kinder und Jugendliche sind. Lesen fördert nicht nur die Sprache, die Fantasie und die Kreativität, sondern stärkt auch Konzentration und Empathie. Wer liest, lernt sich in andere hineinzuversetzen, erweitert seinen Wortschatz und entdeckt Welten, die im Alltag oft verborgen bleiben.
Vor allem in einer Zeit, in der Bildschirme unseren Alltag dominieren, bleibt das Lesen ein unverzichtbarer Schlüssel zur Bildung – und zur eigenen Vorstellungskraft. Geschichten eröffnen Räume, in denen Kinder Abenteuer erleben, Mut schöpfen, Fragen stellen und Antworten finden können.
Auch das Vorlesen spielt weiterhin eine große Rolle. Es schafft Nähe, verbindet Generationen, macht Sprache erfahrbar und weckt früh die Freude am Buch. Wenn Eltern, Großeltern oder Lehrkräfte vorlesen, vermitteln sie weit mehr als eine Geschichte: Sie schenken gemeinsame Zeit.
Die Lesung mit Stefan Gemmel war ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie lebendig Literatur sein kann – und wie wichtig solche Veranstaltungen sind. Ein Tag, den viele der jungen Besucher sicher so schnell nicht vergessen werden.



